Sir Yehudi Menuhin

Sir Yehudi Menuhin gilt als einer der herausragendsten Musiker des 20. Jahrhunderts – Geiger, Dirigent, Humanist und Brückenbauer zwischen Menschen und Kulturen.

Geboren wurde er am 22. April 1916 in New York als Sohn russisch-jüdischer Eltern, die bald in die Schweiz und später nach Frankreich zogen. Schon im Kindesalter zeigte sich sein außergewöhnliches musikalisches Talent: Mit nur sieben Jahren trat er erstmals als Solist mit einem Orchester auf, und bald darauf begann seine internationale Karriere. Menuhin arbeitete mit legendären Dirigenten wie Wilhelm Furtwängler, Bruno Walter und Arturo Toscanini zusammen und wurde in den 1930er- und 1940er-Jahren zu einem der meistbewunderten Geiger seiner Zeit.

„Musik sollte ein Menschenrecht sein.“ – Yehudi Menuhin

Doch Yehudi Menuhin war weit mehr als ein Virtuose. Er war ein tief denkender, weltoffener Künstler, der Musik stets im Dienst des Friedens und der Menschlichkeit verstand. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er sich für Versöhnung und Verständigung ein – so spielte er etwa bereits 1945 ein Konzert in einem deutschen Konzentrationslager für befreite Häftlinge und trat bald darauf gemeinsam mit dem deutschen Dirigenten Wilhelm Furtwängler auf – damals ein mutiges Zeichen der Versöhnung.

In den folgenden Jahrzehnten erweiterte Menuhin sein Wirken als Dirigent, Pädagoge und kultureller Botschafter. Er gründete 1963 die Yehudi Menuhin School in England, eine Schule für hochbegabte junge Musiker, und förderte unermüdlich den Austausch zwischen verschiedenen Musiktraditionen – etwa durch seine Freundschaft und Zusammenarbeit mit Ravi Shankar, die westliche und indische Musik miteinander verband.

Aus dieser humanistischen Haltung heraus entstand 1977 in London Live Music Now (LMN) – ein Projekt, das zwei seiner großen Überzeugungen vereint: Dass Musik allen Menschen zugänglich sein sollte, und dass junge Musikerinnen und Musiker durch das Musizieren für andere nicht nur künstlerisch, sondern auch menschlich wachsen.

Menuhin wollte Musik dorthin bringen, wo sie sonst kaum erklingt: in Krankenhäuser, Altenheime, Schulen, soziale Einrichtungen und Gefängnisse. Live Music Now vermittelt seitdem Konzerte, bei denen junge, talentierte Künstler auftreten und gleichzeitig den gesellschaftlichen Wert ihres Schaffens erfahren.

„Musik heilt, tröstet und bringt Freude.“ – Yehudi Menuhin

Heute ist Live Music Now in vielen Ländern aktiv – auch in Österreich, mit regionalen Vereinen wie Live Music Now Kärnten. Das Projekt lebt fort als Ausdruck von Menuhins tiefem Glauben an die verbindende Kraft der Musik.

Sir Yehudi Menuhin wurde 1993 von Königin Elisabeth II. in den Adelsstand erhoben. Er starb am 12. März 1999 in Berlin, doch seine Vision, Musik als Quelle von Menschlichkeit und Hoffnung zu verstehen, wirkt bis heute fort.

Lebensweg von Sir Yehudi Menuhin

Frühe Jahre

  • 1916 - Geburt am 22. April in New York (USA) als Sohn russisch-jüdischer Eltern.
  • 1923 - Erstes öffentliches Konzert im Alter von sieben Jahren.
  • 1926 - Debüt mit dem San Francisco Symphony Orchestra.
  • 1927 - Europa-Debüt in Paris – Beginn einer internationalen Karriere als Wunderkind der Geige

Aufstieg zum Weltstar

  • 1930er Jahre - Zusammenarbeit mit großen Dirigenten wie Bruno   Walter, Wilhelm Furtwängler und Arturo Toscanini.
  • 1935, April - Legendärer Auftritt in Berlin mit Furtwängler – Symbol für künstlerischen Mut und Menschlichkeit.
  • 1939 - 1945- Während des Zweiten Weltkriegs zahlreiche Konzerte für alliierte Soldaten und Kriegsversehrte.
  • 1945 Juli - Spielt in einem deutschen Konzentrationslager Camp Bergen-Belsen für befreite Häftlinge – ein bewegendes Zeichen der Versöhnung.

Humanismus und kulturelle Brücken

  • 1947 - Reise nach Indien; Beginn seiner Freundschaft und musikalischen Zusammenarbeit mit Ravi Shankar.
  • 1950er Jahre - Weltweite Konzerttourneen; wendet sich zunehmend auch dem Dirigieren zu.
  • 1963 - Gründung der Yehudi Menuhin School in England für hochbegabte junge Musiker.

Musik als soziale Mission

  • 1977     Gründung von Live Music Now (LMN) in London:
    Musik für Menschen in Krankenhäusern, Altenheimen und sozialen Einrichtungen – und zugleich Förderung junger Künstler.
  • „Musik heilt, tröstet und bringt Freude – sie ist ein Menschenrecht.“ – Yehudi Menuhin

Späte Jahre und Vermächtnis

  • 1985     Erhebung in den britischen Adelsstand (Lord Menuhin of Stoke d’Abernon).
  • 1992     Dirigiert das Eröffnungskonzert der Olympischen Spiele in Barcelona.
  • 1993     Ernennung zum Life Peer: Sir Yehudi Menuhin, Baron Menuhin of Stoke  d’Abernon.
  • 1999     Stirbt am 12. März in Berlin im Alter von 82 Jahren.

Heute lebt seine Vision durch Live Music Now weltweit weiter – ein Netzwerk, das Musik dorthin bringt, wo sie am meisten gebraucht wird: zu Menschen, die Trost, Hoffnung und Freude suchen.